Symposium Tennis zwischen Hochkultur und Pop

Vom 8.-9. Mai fand das Symposium “Tennis zwischen Hochkultur und Pop. Sportperformances zwischen Theatralität und Politik” in Kooperation mit dem Fachbereich Theaterwissenschaft des FTMK Institutes der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in unserer Tennisanlage statt. Im Vorfeld berichtete SWR Kultur. Zu den Highlights gehörte der Besuch des Vizepräsidenten des Deutschen Tennisbundes Jan Hanelt.

Während Prof. Dr. Gugutzer vom Institut für Sportwissenschaften der Goethe Universität Frankfurt am Main den ersten Vortrag in der Uni Mainz hielt, gestaltete Frau Prof. Dr. Zorn vom Institut für Musikwissenschaft der Universität Frankfurt die Keynote am Freitag Mittag. Am Freitagvormittag wurde das Thema „Tennis in Film und Medien“, am Nachtmittag „Tennis zwischen E- und U-Musik“ abgebildet. Um die wissenschaftlichen Beiträge auch künstlerisch zu Rahmen, traten die Schauspieler und Artisten Nikolay Tagantsev und Yannick Trojan vom „Tennistheater“ am Freitag in der Uni Mainz, sowie am Samstag in der Tennishalle auf. Ihr Beitrag ist künstlerisch als popkultureller Beitrag zu verorten. Die Performance Künstlerin Angela Alves gab wiederum zusammen mit der Dramaturgin Alexandra Hennig am Freitagabend Einblick in ihre Performance „TENNIS“. “Im Setting eines Tennis Courts nimmt die Tänzerin den Schläger in die Hand und macht sich bereit, für eine barrierefreie Zukunft aufzuschlagen.”, hieß es im Programmheft. Das Symposium setzte damit auch einen inklusiven Schwerpunkt, der vom TSC Freispeed, einem vom Sportbund für Integration und Inklusion ausgezeichneten Tennisverein, unterstützt wird.

Am Samstag wurde das Thema „Tennis zwischen Sportökonomie und Politik verhandelt. Prof. Dr. Georg Puchner der Hochschule Mittweida blickte aus sportökonomischer Sicht auf den Tennissport, während Dr. Tobias Conradi vom Leibniz Institut für Bildungsmedien auf das politische Verhältnis von Tennis und Elite schaute oder aber Paul Seibicke von der Universität Leipzig mit der These „Wo kein Tennisplatz ist, ist Osten“ begeisterte. Am Mittag sprach Modewissenschaftlerin Prof. Dr. Goeller der Hochschule Fresenius über „The Sartists „Sports Series: Tennis“ von 2014 und öffnete so den Kontext des Symposiums auch hinsichtlich kolonialer und dekolonialer Erzählungen.

Marie Helbing vom LWL-Museen für Industriekultur in Dortmund und Valentina Rödelberger vom Institut für Kulturwissenschaft der Mode und des Textilen der Universität Paderborn hielten nicht nur einen Vortrag über das Tenniskleid in den 1920er Jahren, sondern gestalteten auch eine aufwendige Mode-Ausstellung, die am Freitag in der Universität Mainz und am Samstag in der Tennisanlage zu sehen war. (Fotos siehe nächster Beitrag)

Am Samstagnachmittag war der Vizepräsident des Deutschen Tennisbundes Jan Hanelt zu einer Podiumsdiskussion zu Gast. Er sprach über die Zukunft des Tennissportes, über die Chances eines Zusammenwirkens von Tennis und den Künsten, sowie die Politisierung des Sportes. Er beantwortete die Fragen des Fachpublikums und ermöglichte dadurch ein enges Zusammendenken von Wissenschaft und Sportinstitution. Ein herzliches Dankeschön an Herrn Hanelt der Dank unserer Vermittlung auch den Bürgermeister von Bodenheim Jens Mutzke kennenlernen konnte. Was für eine schöne Gelegenheit, die dem TSC Freispeed Bodenheim e.V. überreichte Bücherschenkung von Herrn Mutzke beim First Freispeed Femal Final, diesmal auch mit persönlicher Widmung des Bürgermeisters fotografisch festzuhalten. Zusammen mit dem Buch über Udo Steinberg, dass Prof. Puchner Frau Dr. Plum als Dank für die Ausrichtung des abwechslungsreichen Symposiums überreichte, kam so auch die einzigartige Tennisbüchersammlung des Vereins zur Geltung. Wissenschaftler konnten direkt vor Ort u.a. Heiner Gillmeisters “Kulturgeschichte des Tennis” durchblättern.

Frau Dr. Plum bedankt sich für die Fördergelder der JGU Mainz und der Fritz Thyssen Stiftung, bei den unterstützenden Vereinsmitgliedern, den herzlichen Begegnungen und spannenden Vorträge der Gäste und wird in den nächsten zwei Jahren zu den Themen publizieren. Wir freuen uns darauf, euch auf diese Publikationen dann aufmerksam zu machen und unseren Bücherschrank auch in Zukunft mit umfangreicher Literatur zum Thema Tennis auszustatten.

Wir sind stolz, mit diesem Symposium einen ersten transdisziplinären Aufschlag geleistet zu haben, der auch aus musik- und theaterwissenschaftlicher Sicht auf den Tennissport blickt. Dafür steht auch der Abschluss des Symposiums, den der Tenor Frederik Bak mit einer Arie aus der Oper Tosca gestaltet, die er mit einer Performance „Matchball“ an die Tennis Thematik anpasste. Abschließend ist dazu der Beschreibungstext der Performance angehängt sowie eine kleine Fotosammlung des Symposiums.

In der Arie Recondita armonia, aus Giacomo Puccinis Oper Tosca, reflektiert Mario Cavaradossi die Komplexität der Schönheit, in dem er die zwei Frauen Floria und Tosca miteinander vergleicht. Dabei geht es auf den ersten Blick um äußerliche Kriterien, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Eine Schönheit mit schwarzen Haaren steht der Schönheit mit blonden Haaren gegenüber. Doch wie immer verrät uns die Musik, dass es viel komplexer ist als das. Die Schönheit der Liebe ist nicht allein durch das oberflächliche Gefühl zu erklären, wenn wir jemanden attraktiv finden. Vielmehr ruht ihr Geheimnis in der Sehnsucht nach einem tiefgreifenden Anker, nach dem wir hoffnungsvoll greifen, wenn wir uns auf eine unbekannte Zukunft einlassen. Nach der Liebe greifen bedeutet auch, sich für einen Lebensentwurf zu entscheiden. Wie verläuft das Spiel des Lebens, bis zum alles entscheidenden Matchball, für wen entscheiden wir uns am Ende? Und wie schlagen wir dabei auf? Zaghaft, liebevoll, ängstlich? Mutig und bestimmt, mit dem Risiko den Ball ins Aus zu schießen? In jedem Zug liegt Schönheit und allein die Kunst vermag es, Gegensätze zu vereinen, heißt es im Text. Mario entscheidet sich für Tosca. Siegreich hebt er die eine Liebe in den Himmel und in diesem kurzen Moment, entscheidet sich das Spiel.

 

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